Empfehlungen
I WANT TO SEE HOW YOU SEE
16.04. – 25.07.2010
Der Titel der Ausstellung „I want to see how you see“ geht auf eine gleichnamige Arbeit von Pipilotti Rist (2003) zurück. In der Ausstellung liegt der Schwerpunkt auf Film- und Videoarbeiten aus der bedeutenden Sammlung von Julia Stoschek. Begleitend werden Skulpturen (z.B. von Nandipha Mntambo), fotografische Arbeiten (z.B. Thomas Demand, Taryn Simon, Thomas Ruff) und Installationen von über 50 Künstlern (z.B. von Jeppe Hein) gezeigt.
Geänderte Öffnungszeiten in der großen Deichtorhalle:
Di, Mi, Do 14 - 21 Uhr (außer an Feiertagen)
Fr, Sa, So 11 - 18 Uhr
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Schleswig / Lübeck / Kiel
Sommer und Segel, Badende auf Bildern: Expressionismus zwischen den Meeren
Heckel, Schmidt-Rottluff und Pechstein in Schleswig-Holstein
Sie ist kraftvoll und farbintensiv, voller gebrochener Perspektiven und doch bodenständig in den Motiven, sie ist speziell deutsch und steht in mancher Hinsicht in gotischer Tradition, sie galt als nordisch und wäre fast zur Staatskunst des „Dritten Reichs“ geworden, bevor sich das Verdikt „entartet“ auf sie bezog: Die Kunst des Expressionismus. Viele expressionistische Maler fanden in den norddeutschen Landschaften ihre Motive – und prägen bis heute die Wahrnehmung dieser oft kargen Gegend. Speziell für die Maler der 1905 in Dresden gegründeten „Brücke“-Gruppe hat Schleswig-Holstein hat eine wichtige Rolle gespielt: Heckel, Kirchner oder Schmidt-Rottluff kamen über viele Jahrzehnte hinweg in das Land zwischen den Meeren – fasziniert vom Licht und vom Wasser. Erich Heckel (1883 – 1970) beispielsweise verbrachte von 1913 bis 1943 seine Sommer in Osterholz an der Flensburger Förde.
Kann man auch sonst auf den Spurend des Expressionismus in Schleswig-Holstein reisen, in diesem Sommer sind ihm zusätzlich an gleich drei Orten vier Sonderausstellungen gewidmet: Erst in Schleswig und Lübeck, später in Kiel. Zum diesjährigen vierzigsten Todestag von Erich Heckel zeigt das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Schloss Gottorf die größte Retrospektive seit über zwanzig Jahren. Die in Kooperation mit dem Brücke-Museum Berlin erarbeite Ausstellung „Aufbruch und Tradition“ wird erst in Schleswig und später in Berlin gezeigt. Diese Hauptausstellung legt den Schwerpunkt auf die früheren Jahre: So sind von den 70 gezeigten Gemälden die meisten zwischen 1905 und 1913 entstanden, dem Jahr der Auflösung der Künstlergemeinschaft „Brücke“. Parallel dazu sind unter dem Titel „Erich Heckel – Der stille Expressionist“ über 100 Aquarelle zu sehen, die wesentlich auf den zahlreichen Reisen durch Europa in den 1920 und 1930er Jahren entstanden. Sie zeigen eindrucksvoll, wie Heckel rasch das Wesen der Orte erfasste und diese Notate nutzte, um später die große Form zu erarbeiten.
Auch Karl Schmidt-Rottluff (1884 – 1976), ein weiteres Gründungsmitglied der „Brücke“, reiste regelmäßig an die Ostsee, nach Alsen, Nidden, Hohwacht, Jershöft und Lebasee sowie zwischen 1951 und 1973 immer wieder nach Sierksdorf. In den Lübecker Museen werden nun in einer umfangreichen Ausstellung die zahlreichen Motive seiner Ostseereisen präsentiert, die Menge der Arbeiten aus einem langen Leben reicht für zwei Häuser: Gemälde, Aquarelle und Holzschnitte von 1906 bis in die 1940er Jahre werden im Museum Behnhaus Drägerhaus gezeigt und die Sierksdorfer Motive der Nachkriegszeit in der St. Annen Kunsthalle. So lässt sich anhand der Sommeraufenthalte fast über ein Dreivierteljahrhundert der Wandel von individuellem Eindruck und expressivem bis naturlyrischem Ausdruck in subjektivem Pinselstrich und leuchtenden Farben nacherleben.
Ein Jahr nach der Gründung stieß auch der Zwickauer Max Pechstein (1881-1955) zur „Brücke“. Da dieses Jahr das erste vollständige wissenschaftliche Werkverzeichnis der Ölgemälde erscheint, präsentiert die Kunsthalle zu Kiel in Zusammenarbeit mit den Erben der Familie Pechstein und der Verfasserin des Werkverzeichnisses, der Berlinerin Aya Soika, ab September eine umfassende Retrospektive. Unter den etwa 80 Gemälden werden einige Neuentdeckungen zu sehen sein, dazu selten gezeigte Aquarelle, Zeichnungen und Druckgrafiken, Kunsthandwerk und dokumentarisches Material.
HAJO SCHIFF
„Erich Heckel – Aufbruch und Tradition“ – Eine Retrospektive und „Erich Heckel – Der stille Expressionist“ – Die Aquarelle
Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Schloss Gottorf, Reithalle und Galerie der Klassischen Moderne, täglich 10 – 18 Uhr. Bis 29. August. www.schloss-gottorf.de
Katalog als Monographie zum malerischen Werk. 328 Seiten,123 Farbtafeln, Hirmer-Verlag, München, Museumspreis: 29,90 Euro. Katalog der Aquarelle, 288 Seiten, 121 Farbtafeln, gleicher Verlag, gleicher Preis.
„Ostseebilder“ von Karl Schmidt-Rottluff. Museum Behnhaus Drägerhaus, Königstraße 9 -11, und Kunsthalle St. Annen, St. Annen-Straße 15, 23552 Lübeck, Di – So 10 – 17 Uhr. 13. Juni – 05. September . www.die-luebecker-museen.de
Vergünstigungen beim Besuch der beiden Ausstellungen in Schleswig und Lübeck.
Max Pechstein – Ein Expressionist aus Leidenschaft. Retrospektive. Kunsthalle zu Kiel, Düsternbrooker Weg 1, 24105 Kiel, Di – So 10 – 18, Mi bis 20 Uhr. 19. September – 09. Januar 2011. www.kunsthall-kiel.de

